Am Ende des Jahres stehen Banken vor einer neuen Herausforderung: die Offenlegung ihrer „Green Asset Ratio“. Dieser Wert gibt Auskunft darüber, wie „grün“ das Kreditportfolio einer Bank ist. Die Berichterstattung über die „Green Asset Ratio“ wird eine enorme Aufgabe für die Banken darstellen, da sie nun verpflichtet sind, ihre Bemühungen im Bereich nachhaltiger Finanzierungen transparent darzulegen. „Die Banken haben eine große Herausforderung vor der Brust, die Offenlegungspflichten jetzt und in den nächsten Jahren zu erfüllen“, so Dr. Erich Süss, Partner bei BCG, in einem Interview mit FINANCE TV.

Die „Green Asset Ratio“ – Eine erste Einschätzung

Laut Dr. Süss, werden die ersten Zahlen zur „Green Asset Ratio“, die im nächsten Jahr von den Banken veröffentlicht werden, voraussichtlich im niedrigen einstelligen Bereich liegen. Dies hängt von der Abdeckung und Größe des Kreditbuchs ab. Höhere Werte werden wahrscheinlich nur bei einigen Spezialbanken zu finden sein. Obwohl dies derzeit nur eine Reporting-Anforderung ist und es noch keine Mindeststandards seitens der Regulatoren gibt, wird die „Green Asset Ratio“ aufgrund der EU-Taxonomie von Anfang an als eine relevante Kennzahl angesehen werden.

Marktdruck und Benchmarks

Die EU-Taxonomie erstreckt sich auf den gesamten EU-Raum und wird voraussichtlich einen gewissen Marktdruck erzeugen. Aufsichtsbehörden werden Benchmarks erstellen, was den Druck auf Banken erhöht, ihre „Green Asset Ratio“ zu steigern.

Die Herausforderung des Datenmanagements

Die Sammlung und Verarbeitung von Daten sind eine der größten Herausforderungen für Banken bei der Umsetzung der EU-Taxonomie. Dieser Meinung war auch Dr. Süss im Interview mit FINANCE TV.

Es geht nicht nur darum, ein Etikett „grün“ zu vergeben, sondern um viel mehr. Die korrekte Einordnung von Vermögenswerten als „grün“ erfordert eine genaue Datenanalyse, um sicherzustellen, dass sie den Kriterien der EU-Taxonomie entsprechen. Dies bedeutet, dass Banken nicht nur oberflächliche Informationen berücksichtigen dürfen, sondern auch die ökologischen und sozialen Auswirkungen ihrer Finanzierungen im Auge behalten müssen. Dieser komplexe Prozess erfordert nicht nur Zeit und Ressourcen, sondern auch die Entwicklung und Implementierung umfassender Datenmanagement-Strategien, um sicherzustellen, dass die Berichterstattung korrekt und transparent erfolgt.

Banken als Treiber für die Transformation der Realwirtschaft

Banken spielen eine Schlüsselrolle bei der Finanzierung und Beratung von Unternehmen, die ihre Geschäftsmodelle hin zu mehr Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit transformieren wollen. Durch die Positionierung als kompetente Partner für nachhaltige Finanzierungen können Banken nicht nur ihre Reputation verbessern, sondern auch langfristig einen strategischen Vorteil erlangen.

Folgen für Firmenkunden

Die Dekarbonisierungsbemühungen der Banken werden zwangsläufig Auswirkungen auf ihre Firmenkunden haben. Positive Effekte könnten in Form von günstigeren „grünen Krediten“ auftreten, die für Unternehmen von Vorteil sind. Allerdings könnten Unternehmen, die sich nicht ausreichend auf Nachhaltigkeit ausrichten, Schwierigkeiten haben, Finanzierungen zu erhalten. Insbesondere Branchen mit hohen CO2-Emissionen könnten betroffen sein, da Banken weniger geneigt sein könnten, solche Finanzierungen anzubieten.

Ausblick und Herausforderungen

Die EU-Taxonomie verpflichtet Banken zur Offenlegung ihrer „Green Asset Ratio“, was einen wichtigen Schritt in Richtung nachhaltiger Finanzierung darstellt. Die Herausforderung besteht jedoch darin, Daten effizient zu sammeln und zu verarbeiten, um diese Kennzahl zu berechnen. Banken müssen sich auf die Komplexität der EU-Taxonomie einstellen und sicherstellen, dass sie die offiziellen Anforderungen erfüllen. Die Einführung von Mindestquoten für die „Green Asset Ratio“ durch die EU wird voraussichtlich nicht vor 2030 erfolgen, und „grüne“ Unternehmensfinanzierungen könnten bereits in den nächsten 3 bis 5 Jahren durchgängig günstiger sein als „nicht-grüne“ Finanzierungen, so die Einschätzung von Dr. Süss im Interview mit FINANCE TV. Die Banken befinden sich auf einem Lernpfad und arbeiten daran, die regulatorischen Anforderungen zu erfüllen, während sie gleichzeitig eine treibende Kraft für die Transformation der Realwirtschaft sind. Insgesamt wird die EU-Taxonomie die Art und Weise, wie Banken Geschäfte tätigen und Finanzierungen bereitstellen, grundlegend verändern und eine nachhaltige Finanzwirtschaft fördern. Dies wird nicht nur den Bankensektor, sondern auch die gesamte Wirtschaft und die Umwelt positiv beeinflussen. Banken sollten sich daher aktiv auf diese Veränderungen einstellen und robuste Datenmanagement-Strategien entwickeln, um die Herausforderungen der EU-Taxonomie erfolgreich zu bewältigen.

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