Immer mehr Unternehmen setzen auf die Sanierung bestehender Immobilien und verändern damit die Immobilienbranche grundlegend. Sarah Dungs, Geschäftsführerin der Greyfield Group und Vorstandsvorsitzende des Verbands für Bauen im Bestand, sieht im Bauen im Bestand den neuen Standard der Branche. Immer mehr Investoren erkennen, dass die Immobilie der Zukunft nicht unbedingt neu gebaut werden muss – vielmehr sind nachhaltige und wirtschaftliche Sanierungen gefragt.
Der entscheidende Vorteil liegt auf der Hand: Deutschland ist weitgehend fertig bebaut, weshalb der Fokus auf Bestandsimmobilien liegen muss. Bauen im Bestand schont Ressourcen, minimiert Flächenverbrauch und passt perfekt zu den ambitionierten Klimazielen. Gleichzeitig ist es oft wirtschaftlicher, da bereits Grundstücke vorhanden sind und Baukosten reduziert werden können.
Während Neubauaktivitäten zurückgehen, bleibt die Aktivität im Bestand stabil, was den Wandel in der Branche zeigt. Zwar ist das Bauen im Bestand mit anderen Risiken verbunden als der Neubau, doch diese lassen sich mit neuen Herangehensweisen und Tools bewältigen. Es braucht ein Umdenken – insbesondere im Mindset auf Baustellen und im Umgang mit bestehenden Strukturen.
Die größte Herausforderung ist die Komplexität bestehender Immobilien, die oft nicht exakt den aktuellen Bedürfnissen entsprechen und spezielle Planung erfordern. Besonders das Bürosegment bietet großes Potenzial, da viele Büroflächen leerstehen und durch Umnutzung neue Wohnräume entstehen könnten – wenn die Rahmenbedingungen wie Bebauungspläne stärker flexibilisiert würden.
Der Verband für Bauen im Bestand unterstützt seine über 180 Mitglieder mit innovativen Lösungen, darunter ein digitaler Chatbot, der Bauordnungen bundesweit auswertet, sowie Workshops zur besseren Finanzierung und zum Erfahrungs- und Wissensaustausch. Offenheit und aktives Mitgestalten sind hier ausdrücklich erwünscht, denn die Immobilienbranche steht durch den Wandel vor großen Herausforderungen und Chancen.
Bauen im Bestand ist nicht nur nachhaltiger und ressourcenschonender, sondern ein richtiger Hebel gegen Wohnungsnot und Klimawandel. Die Branche muss jetzt neue Geschäftsmodelle entwickeln, Risiken verstehen und den Dialog mit der Politik und Finanzwelt intensivieren, um das volle Potenzial auszuschöpfen.


