Energieausweis für Wohngebäude: Aufbau, Kennwerte und Effizienzklassen einfach erklärt

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Was ist ein Energieausweis?

Der Energieausweis ist so etwas wie ein Steckbrief für dein Wohngebäude. Er gibt dir durch verschiedene Angaben ein Bild von der Energieeffizienz eines Hauses und enthält zusätzlich Empfehlungen zur kostengünstigen Modernisierung. In diesem Beitrag erfährst du, was alles im Energieausweis steht.

Mit dem Energieausweis kannst du Gebäude energetisch leichter miteinander vergleichen. Um den energetischen Zustand von Gebäuden zu bewerten, schreibt das Gebäudeenergiegesetz (GEG) in den meisten Fällen einen Energieausweis vor. Er enthält allgemeine Angaben zum Haus, zu den verwendeten Energieträgern wie Gas, Holzpellets oder Strom sowie die Energiekennwerte des Gebäudes. Neuere Ausweise für Wohngebäude führen zudem – ähnlich wie Elektrogeräte – eine Energieeffizienzklasse von A+ bis H auf.

Wichtig zu wissen: Bei einem Wohngebäude wird der Ausweis für das ganze Gebäude ausgestellt, nicht für eine einzelne Wohnung. Gibt es im Gebäude neben Wohnungen auch anders genutzte Räume mit einer Fläche von über 10 Prozent, ist ein eigener Energieausweis nötig.

Wozu dient die Registriernummer?

Aktuelle Ausweise enthalten eine Registriernummer, die beim Deutschen Institut für Bautechnik beantragt wird. Damit können Behörden Energieausweise stichprobenartig kontrollieren, um die Qualität der Dokumente zu verbessern. Untersuchungen haben nämlich teils erhebliche Qualitätsmängel festgestellt. Aussteller:innen müssen Kopien der ausgestellten Ausweise zwei Jahre lang aufbewahren.

Wie ist ein Energieausweis aufgebaut?

Die erste Seite enthält allgemeine Angaben zum Gebäude:

– die Adresse
– das Baujahr des Gebäudes
– die Art der Anlagentechnik
– die Anzahl der Wohnungen
– Aussagen zu erneuerbaren Energien
– zur Gebäudebelüftung und ggf. -kühlung
– zur Inspektionspflicht für Klimaanlagen

Außerdem ist vermerkt, welches Berechnungsverfahren genutzt wurde: bedarfsorientiert oder verbrauchsorientiert.

Beim Bedarfsausweis wird die energetische Qualität auf Grundlage eines berechneten Energiebedarfs ermittelt. Die Kennwerte findest du auf Seite 2, ebenso Angaben zu Treibhausgasemissionen und erneuerbaren Energien. Beim Verbrauchsausweis wird der gemessene Energieverbrauch herangezogen, die Kennwerte stehen dann auf Seite 3.

Die Kennwerte geben den jährlichen Verbrauch in Kilowattstunden pro Quadratmeter Nutzfläche an. Je höher der Wert, desto schlechter der energetische Zustand. Der farbige Bandtacho und die Einteilung in Effizienzklassen helfen dir beim Vergleich.

Achtung: Die Kennwerte beziehen sich nicht auf die Wohnfläche, sondern auf die Gebäudenutzfläche A(N), also die gesamte beheizte oder gekühlte Raumfläche. Sie ist meist etwas größer als die Wohnfläche.

Seite 4 enthält kostengünstige Vorschläge zur Verbesserung der Energieeffizienz. Seite 5 liefert abschließende Erläuterungen.

Primärenergie- und Endenergie-Kennwert

Der Primärenergie-Kennwert zeigt, wie viel Energie insgesamt nötig ist, um dein Gebäude mit Heizwärme und Warmwasser zu versorgen, inklusive der Energie für Gewinnung, Verarbeitung und Transport. Er ist vor allem für den Klimaschutz relevant. Je kleiner der Wert, desto klimafreundlicher.

Der Endenergie-Kennwert gibt an, wie viel Energie direkt am Gebäude für Heizung, Warmwasser und Lüftung ankommt. Er ist der wichtigste Anhaltspunkt für den praktischen Energieverbrauch vor Ort.

Ein guter Primärenergie-Kennwert allein bedeutet aber nicht automatisch eine gute Bilanz: Ein Haus mit Pelletheizung kann trotz guten Werts durch schlechte Dämmung hohe Energiekosten verursachen.

Musst du Modernisierungen umsetzen?

Der Energieausweis dokumentiert nur den energetischen Ist-Zustand. Als Eigentümer:in bist du nicht verpflichtet, die Vorschläge umzusetzen. Auch das GEG fordert nur in wenigen Fällen eine Nachrüstung.

Trotzdem lohnt sich eine energetische Sanierung: Du senkst die Heizkosten, steigerst den Immobilienwert und verbesserst deine Vermietungs- oder Verkaufschancen. Informiere dich am besten in einer individuellen Energieberatung, zum Beispiel bei deiner Verbraucherzentrale.

Bedarfsausweis vs. Verbrauchsausweis

Beim Bedarfsausweis wird der Energiebedarf anhand der Gebäude- und Heizungseigenschaften berechnet. Beim Verbrauchsausweis wird er auf Basis gemessener Verbräuche bestimmt. Der Verbrauchskennwert ist häufig niedriger, also günstiger.

Wann kann ich ein Bedarfsausweis und wann einen Verbrauchsausweis bestellen?

Verbrauchsausweis
  • Basiert auf dem tatsächlichen Energieverbrauch der letzten 3 Jahre
  • Einfach zu erstellen, wenn Verbrauchsdaten vollständig vorliegen
  • Gut geeignet für mehrfach genutzte oder vermietete Gebäude
  • Günstiger und schneller – aber abhängig vom Verhalten der Bewohner:innen
Bedarfsausweis
  • Ermittelt den theoretischen Energiebedarf auf Basis des Gebäudezustands
  • Unabhängig vom Nutzerverhalten – dadurch objektiver und genauer
  • Pflicht bei Neubauten, leerstehenden Gebäuden oder Altbauten ohne Daten
  • Erfordert Fotos, Grundrisse und einige technische Angaben – trotzdem bequem digital bei vreed
Bedarfsausweis_oder_Verbrauchsausweis_03
Bedarfsausweis_oder_Verbrauchsausweis_03

Gebäude mit dem Energieausweis vergleichen

Zur Orientierung nennt der Ausweis typische Vergleichswerte:

– Ein typischer Neubau liegt bei 30 bis 40 kWh pro m² und Jahr (Klasse A).
– Der Durchschnitt der Wohngebäude in Deutschland liegt bei rund 150 kWh pro m² und Jahr (Klasse E).
– Unsanierte Einfamilienhäuser liegen mit über 200 kWh pro m² und Jahr in Klasse G oder H.

Da Dämmstandards und Heizungsanlage nicht einzeln bewertet werden, lassen sich Schwachstellen ohne Vor-Ort-Besichtigung kaum ablesen.

Energieverbrauch und -kosten abschätzen

Der reale Verbrauch hängt stark vom Standort, der Witterung und deinem Heizverhalten ab. Beim Bedarfsausweis wird eine Raumtemperatur von 20 °C angenommen, jedes Grad mehr erhöht den Verbrauch um rund 6 Prozent.

So kannst du dich an den ungefähren jährlichen Energiekosten pro Quadratmeter Wohnfläche orientieren:

– A+ (unter 30 kWh/m²/Jahr): etwa 3 Euro
– A (30 bis unter 50): 7 Euro
– B (50 bis unter 75): 11 Euro
– C (75 bis unter 100): 16 Euro
– D (100 bis unter 130): 21 Euro
– E (130 bis unter 160): 26 Euro
– F (160 bis unter 200): 32 Euro
– G (200 bis unter 250): 40 Euro
– H (über 250): 50 Euro und mehr

Die Werte beziehen sich auf die Endenergie und verstehen sich inklusive Mehrwertsteuer.

Worauf solltest du bei Wohnungsanzeigen achten?

Laut GEG müssen in Immobilienanzeigen folgende Angaben stehen:

– die wichtigsten energetischen Kenndaten (Energiebedarf oder -verbrauch)
– der Energieträger für die Heizung (z. B. Holzpellets oder Gas)
– die Art der Beheizung
– das Baujahr des Gebäudes

Achte darauf, dass Energie-Kennwert und Effizienzklasse (A+ bis H) genannt sind.

Tipps für die Besichtigung

Verlass dich nicht nur auf den Ausweis, sondern achte bei der Besichtigung auf:

– Wärmedämmung: optimal sind gedämmte Außenwände, Kellerdecke und oberste Geschossdecke bzw. Dach.
– Fenster und Türen: Wärmeschutzverglasung mit zwei Scheiben und winddichte Ausführung sollten Standard sein.
– Lage der Wohnung: Wohnungen mit vielen Außenwänden brauchen mehr Heizenergie. Frag nach früheren Heizkostenabrechnungen.
– Heizung: Der Energieträger beeinflusst die Kosten maßgeblich.
– Warmwasser: Bei hohem Verbrauch ist zentrale Erwärmung günstiger, bei niedrigem können moderne Durchlauferhitzer günstiger sein.

Wie sinnvoll ist eine Energieberatung?

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) fördert Energieberatungen für Wohngebäude finanziell. Registrierte Energieberater:innen ermitteln den Ist-Zustand und erstellen ein Sanierungskonzept. Optimal ist die Vor-Ort-Beratung mit individuellem Sanierungsfahrplan (iSFP), der zeigt, wie du dein Haus schrittweise oder komplett sanieren kannst. Dafür gibt es zusätzlich Fördergeld.

Wenn der Energieausweis mit einem BAFA-Beratungsbericht verbunden werden soll, brauchst du eine Person, die sowohl nach GEG als auch beim BAFA zugelassen ist. Planst du einzelne Maßnahmen wie Heizungsaustausch, Dämmung oder neue Fenster, lohnt sich eine Energieberatung ebenfalls.

Quelle:
vreed GmbH
Link:
https://vreed.de
Bild von Jan Witkovsky

Jan Witkovsky

Architect, M.Eng. in international Project Management 20+ yrs. general planning, project management and business development. Founding- and Leadership experience.