Die energetische Sanierung von Altbauten ist ein wichtiger, aber bisher enttäuschender Baustein der Energiewende in Deutschland. Die Sanierungsrate bleibt niedrig, energieintensive Gebäude verursachen weiterhin hohe Emissionen, und die Klimaziele im Gebäudesektor werden regelmäßig verfehlt. Um dieses Problem anzugehen, schlagen das Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (Ifeu) und die Technische Universität München (TUM) eine grundlegende Weiterentwicklung der staatlichen Förderung vor – mit Fokus auf soziale Gerechtigkeit und einfache Strukturen.
Aktuell fließt ein Großteil der Fördermittel in Heizungstechnik, während Maßnahmen zur Gebäudedämmung und -ertüchtigung weniger unterstützt werden. Nur eine geringe Zahl von Gebäuden wird umfassend saniert. Die bisherigen Fördermodelle bevorzugen umfassende Sanierungen und profitieren überwiegend einkommensstarke Haushalte. Eigentümer kleiner Einkommen und vermietete Wohnungen werden dagegen oft außen vor gelassen.
Das neue Konzept fordert eine radikale Vereinfachung der Förderung: Eine einheitliche Grundförderung für alle wirksamen Maßnahmen wie Dämmung, Fenstertausch oder Heizungserneuerung soll eingeführt werden. Zudem soll es einen „Zukunftsbonus“ geben – eine zusätzliche Förderung, wenn der Altbau einen besonders schlechten Energiestandard hat oder ein zukunftsfähiges Niveau erreicht wird. Dies orientiert sich am künftigen europäischen „Zero Emission Building“-Standard.
Darüber hinaus legt das Modell großen Wert auf soziale Ausgewogenheit. Haushalte mit geringem Einkommen oder sozial gebundene Wohnräume sollen höhere Fördersätze erhalten, um die soziale Schieflage bei der Förderung zu beseitigen. Ziel ist es, nicht Perfektion, sondern eine wirksame, ressourcenschonende Sanierung mit nachhaltigem Klimaschutz und sozialer Gerechtigkeit zu fördern.
Dieses Konzept könnte entscheidend dazu beitragen, die Sanierungsquoten zu erhöhen, den Gebäudesektor klimafreundlicher zu gestalten und gleichzeitig sozial benachteiligte Gruppen besser zu unterstützen.


