Kirchen in Niederösterreich stehen leer: Der Wandel der katholischen Kirche und ihre Immobilienverkäufe

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In Niederösterreich und anderen Teilen Österreichs ist ein deutlicher Wandel der katholischen Kirche sichtbar. Mitgliederschwund und veränderte gesellschaftliche Strukturen führen dazu, dass zahlreiche Kirchengebäude verkauft werden. Ein aktuelles Beispiel ist die Kirche zum heiligen Josef der Arbeiter in Hirschwang an der Rax, die zum Verkauf steht. Diese Entwicklung zeigt, wie sehr sich die Kirche anpassen muss – sowohl in ihrem Selbstverständnis als auch im Umgang mit ihrem Immobilienbesitz.

Die Erzdiözese Wien versucht, ihren Immobilienbestand zu reduzieren. So wurde etwa die barocke Augustinerkirche in Korneuburg vor rund zwei Jahren verkauft und wird nun umgestaltet zu einer öffentlich zugänglichen Event- und Kulturlocation, bei der der Denkmalschutz strikt beachtet wird. Damit passen sich die ehemaligen Kirchengebäude neuen Nutzungen an, ohne ihre Geschichte zu verlieren.

Auch in Mödling wurde 2024 eine Kirche verkauft. Der Apostolische Administrator der Erzdiözese beschreibt den Prozess als notwendig und unvermeidbar, da viele Kirchengebäude aus Zeiten stammen, in denen die Mehrheit der Bevölkerung regelmäßig Gottesdienste besuchte – heute aber diese Infrastruktur vielfach nicht mehr den Bedürfnissen entspricht.

Das Beispiel Hirschwang ist besonders prägnant: Nachdem die lokale Industrie – eine Papierfabrik und ein Sägewerk – geschlossen hat, leben nur noch wenige Menschen im Ort. Die Kirche steht leer, ist sanierungsbedürftig und wird kaum besucht. Der ehrenamtliche Diakon Romeo Reichel berichtet, dass Gottesdienste kaum noch Besucher finden und Investitionen nicht mehr rentabel sind.

Der gesamte Komplex inklusive Pfarrhof soll für rund 240.000 Euro verkauft werden. Dabei ist die Nutzung an Auflagen gebunden, um den Werten der katholischen Kirche nicht zu widersprechen. Dieser Schritt verdeutlicht den Rückzug der Kirche aus ländlichen Regionen, der durch massive Austrittszahlen und rückläufige Taufen begleitet wird. Im Jahr 2023 traten über 85.000 Menschen aus, dem stehen nur etwa 4.500 Neu- und Wiedereintritte gegenüber.

Ein weiteres Beispiel für diesen Wandel ist die Kirche Maria vom Siege in Wien-Rudolfsheim, die bereits an eine orthodoxe Gemeinde übergeben wurde. Dennoch stellen hohe Erhaltungskosten eine Herausforderung dar.

Die Erzdiözese Wien bemüht sich, Kirchengebäude nur dort aufzugeben, wo es keine aktive Gemeinde mehr gibt. Wo Leben, Glaube und Gemeinschaft weiterhin gepflegt werden, bleibt die Kirche präsent. Andernorts verändern sich ehemalige Gotteshäuser zu säkularen Immobilien mit neuen Funktionen, während das religiöse Leben zurückgeht.

Bild von Markus Kambeck

Markus Kambeck

MBA - Blockchain Management & Technology 25+ Years of experience in Marketing. Passionate about PropTech.