Die wichtigsten Verbände aus den Bereichen erneuerbare Anlagentechnik, Gebäudehülle und Energieberatung haben einen bedeutenden Vorschlag für ein neues Gebäudemodernisierungsgesetz vorgelegt. In einem Gutachten, erstellt vom Institut für Technische Gebäudeausrüstung (ITG) und dem Forschungsinstitut für Wärmeschutz (FIW), wird ein flexibler und lösungsoffener Ansatz präsentiert, der die Reduktion fossiler Energieimporte, Wirtschaftswachstum und Klimaschutzziele miteinander verbindet.
Prof. Dr.-Ing. Bert Oschatz vom ITG betont, dass bestehende Maßnahmen im aktuellen Gebäudeenergiegesetz den CO2-Ausstoß in typischen Bestandsgebäuden je nach Technik um 50 bis 90 Prozent senken können. Eine einfache Ersetzung alter Gasheizungen durch effizientere Modelle reicht hingegen nicht aus, um ähnliche Erfolge zu erzielen, auch wenn geringe Mengen Biomethan beigemischt werden.
Neben modernen Heizsystemen gewinnen auch Maßnahmen an der Gebäudehülle an Bedeutung. Prof. Dr.-Ing. Andreas Holm vom FIW erklärt, dass eine verbesserte Gebäudehülle den Energieverbrauch und die Kosten deutlich senkt, die Lastspitzen im Winter reduziert, das Stromnetz stabilisiert und den Bedarf an zusätzlicher Netzinfrastruktur verringert. So entstehen keine Konflikte zwischen erneuerbaren Heizsystemen und energieeffizienter Gebäudehülle – ganz im Gegenteil.
Für Dr. Martin Sabel, Geschäftsführer des Bundesverbands Wärmepumpe e.V., ist klar: Die Politik darf bei den Ambitionen nicht nachlassen. Das Gesetz soll künftig Verbrauchern klare Orientierung geben, wie sie ihr Zuhause zukunftssicher gestalten und die Abhängigkeit von Gas und Öl vermeiden. Hauseigentümer sollten nicht durch veraltete Versprechen der Energiewirtschaft zu neuen Gasheizungen verleitet werden.
Jan Peter Hinrichs vom Bundesverband energieeffiziente Gebäudehülle (BuVEG) unterstreicht die Bedeutung individueller Sanierungslösungen, denn keine Immobilie gleicht der anderen. Eigentümer sollten mit Energieberatern gemeinsam entscheiden, ob Heizung oder Gebäudehülle priorisiert werden. Die Wärmewende erfordert das Zusammenspiel aller Maßnahmen.
Benjamin Weismann, Geschäftsführer des Energieberatendenverbands GIH, hebt hervor, dass die Senkung des Energiebedarfs neben der CO2-Minderung ein entscheidender Faktor sein muss. Würden Maßnahmen an der Gebäudehülle als gleichwertige Alternative anerkannt, wäre dies ein bedeutender Fortschritt, der den Wunsch der Bevölkerung nach Energie- und Kosteneinsparungen widerspiegelt.
Dieser breite Schulterschluss aus Technik, Beratung und Politik bildet die Grundlage für ein modernes, flexibles Gebäudemodernisierungsgesetz, das zu nachhaltigen, gesunden und bezahlbaren Wohnlösungen beiträgt.


