Energiesparen sollte für Unternehmen eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, denn effiziente Energienutzung ist nicht nur gut fürs Klima, sondern auch wirtschaftlich attraktiv – vor allem angesichts hoher und schwankender Energiepreise. Doch eine aktuelle Kurzstudie von PwC im Auftrag der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF) zeigt, dass trotz vorhandener technischer Lösungen viele Potenziale ungenutzt bleiben.
Der Hauptgrund: Nicht die Technologie selbst ist das Problem, sondern Strukturen, falsche Anreize, politische Unsicherheiten und interne Entscheidungsprozesse bremsen Investitionen. Viele rentable Maßnahmen scheitern an kurzfristigen Investitionskriterien, unklaren Verantwortlichkeiten und mangelnder Planungssicherheit. So behindert etwa das ungünstige Strom-Gas-Preisverhältnis die Elektrifizierung von Prozesswärme, während Unsicherheiten bezüglich zukünftiger Energiepreise und regulatorischer Rahmenbedingungen das Risiko von Investitionen erhöhen. Ein weiterer Stolperstein ist, dass oft andere Abteilungen über Investitionen entscheiden als diejenigen, die von Einsparungen profitieren.
Die Studie identifiziert fünf zentrale Handlungsfelder, in denen besonders viele Einsparpotenziale liegen:
1. – Industrielle Wärmepumpen können ungenutzte Abwärme für Produktionsprozesse nutzbar machen und fossile Dampferzeugung ersetzen. Doch hohe Stromkosten und fehlende Netzanschlüsse bremsen die Nutzung.
2. – Hochtemperatur-Wärmespeicher flexibilisieren Prozesswärme, indem sie Energie zeitversetzt bereitstellen. Regulatorische Hürden und Preisstrukturen schmälern derzeit ihre Wirtschaftlichkeit.
3. – Wärmerückgewinnung und interne Wärmenetze könnten Abwärme mehrfach nutzen, doch fehlende Förderung und isolierte Betrachtung sorgen für geringe Verbreitung.
4. – Energiemanagementsysteme und Nutzerverhalten sind günstige und schnell umsetzbare Einsparmaßnahmen, bleiben jedoch im Betriebsalltag oft vernachlässigt.
5. – Technisch ausgereifte Dämmmaßnahmen gegen Wärmeverluste sind vergleichsweise kostengünstig, werden aber intern häufig als nachrangig wahrgenommen.
Besonders einfache und kurz amortisierende Maßnahmen wie Rohrleitungsisolierung, Abwärmerückführung oder Monitoring werden oft nicht umgesetzt. Die Studie unterstreicht das Prinzip „Energy Efficiency First“: Den Energiebedarf zu senken sollte Priorität haben, bevor in neue Erzeugungs- oder Versorgungstechnik investiert wird. Effizienz ist nicht nur ein Nebeneffekt, sondern eine Voraussetzung für eine wirtschaftlich erfolgreiche industrielle Transformation.
Christian Noll, geschäftsführender Vorstand der DENEFF, fasst zusammen: „Energieeffizienz ist der grundlegende Hebel für den wirtschaftlichen Erfolg der Transformation hin zu einer resilienten Industrie.“ Er warnt vor der Abschwächung des Energieeffizienzgesetzes, da Unsicherheiten dadurch Investitionen bremsen und den Industrie-Standort schwächen.
Für Dich als Unternehmer oder Entscheider bedeutet das: Strukturelle Hemmnisse und politische Unsicherheiten gilt es zu überwinden, um die vorhandenen Potenziale für Energiesparen und Effizienz gewinnbringend zu nutzen. Konkrete Maßnahmen wie industrielle Wärmepumpen, Wärmespeicher und konsequentes Energiemanagement bieten dir handfeste Chancen, Kosten zu senken und nachhaltiger zu wirtschaften.


