Obwohl immer mehr erneuerbare Energien sprichwörtlich günstiger werden, steigen die Strompreise weiterhin an. Das sorgt verständlicherweise für Zweifel an der Behauptung, dass grüner Strom günstiger ist. Ein Blick auf die historischen Preise zeigt, dass die Stromkosten in Deutschland von 2015 bis 2024 um fast 33 Prozent gestiegen sind. Während 2015 eine Kilowattstunde Strom rund 27,5 Cent kostete, liegt der durchschnittliche Preis heute bei etwa 36,5 Cent.
Wie kann das sein, wenn Strom aus Photovoltaik oder Windkraft doch deutlich günstiger produziert wird? Die Antwort liegt in den Zusatzkosten und Marktmechanismen. Zwar sind die reinen Herstellungskosten für erneuerbare Energien niedriger – insbesondere wenn man Folgekosten durch Umweltschäden oder Gesundheitsausgaben bei fossilen Energien mitberücksichtigt. Aber für die Energiewende muss das Stromnetz umfassend ausgebaut werden, um Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Zum Beispiel sind riesige Energiespeicher oder neue Wasserstoffkraftwerke notwendig, die den Strom zur Verfügung stellen, wenn Sonne und Wind nicht reichen.
Diese Investitionen erhöhen die Produktionskosten und treiben gleichzeitig die Netzentgelte in die Höhe, was letztlich den Endverbraucherpreis belastet. Zusätzlich beeinflusst die sogenannte „Merit Order“ an der Strombörse die Preise entscheidend. Hier bestimmt das zuletzt eingesetzte Kraftwerk den Preis für alle. Da dieses Grenzkraftwerk häufig ein teures Kohle- oder Gaskraftwerk ist, bleiben die Strompreise trotz hohen Anteils an grüner Energie auf hohem Niveau.
Für einen faireren Vergleich nutzt man die Stromgestehungskosten, die alle Kosten einer Anlage über ihre Lebensdauer verteilt betrachten. Laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) liegen die Gestehungskosten für Strom aus Photovoltaik-Anlagen auf dem Dach zwischen 5 und 20 Cent pro Kilowattstunde, bei Windkraft-Anlagen an Land sogar nur zwischen 4 und 8 Cent. Zum Vergleich: Braunkohle kostet zwischen 10 und 15 Cent, Erdgas bis zu 29 Cent pro Kilowattstunde.
Fazit: Grüner Strom ist an sich günstiger, doch der Preis für den Verbraucher wird durch Netzinvestitionen und Marktmechanismen beeinflusst, was die steigenden Strompreise erklärt. Für Dich bedeutet das, dass eine zukunftsfähige und kostengünstigere Energieversorgung neben dem Ausbau erneuerbarer Energien auch den Ausbau der Infrastruktur und eine Reform des Strommarktes benötigt.