Industrielle Trocknungsprozesse sind in vielen Branchen unerlässlich, aber auch energiefressend. Forscher am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB haben gemeinsam mit Evonik und der Pergande Group eine innovative Methode entwickelt, die herkömmliche Heißlufttrocknung durch die Nutzung von überhitztem Wasserdampf in einem geschlossenen Kreislauf ersetzen kann.
Im Gegensatz zur üblichen Heißluft, die oft durch Erdgas erhitzt wird und Wärmeverluste durch Abluft verursacht, verwendet dieses Verfahren überhitzten, trockenen Wasserdampf. Dadurch sinken die Wärmeverluste deutlich, was den Energiebedarf je nach Art des Trocknungsprozesses auf die Hälfte bis ein Viertel reduziert. In Kombination mit einer Wärmepumpe, die Niedertemperaturdampf anhebt und erneut nutzbar macht, sowie smarter Steuerung, sind Einsparungen von bis zu 80 Prozent möglich.
Diese Technologie lässt sich in verschiedensten Trockneranlagen wie Band-, Trommel- oder Sprühtrocknern einsetzen. Erprobt wurde sie bereits bei der Trocknung von Kalk, Baumaterialien, organischen Reststoffen, Couscous und sogar Insektenlarven. Die Wärmerückgewinnung macht die Anlage nicht nur effizienter, sondern verwandelt sie auch in einen Wärmelieferanten, da überschüssiger Dampf kondensiert wird und Wärme bis etwa 100 Grad Celsius für andere Industrieprozesse oder zur Beheizung von Gebäuden genutzt werden kann.
Der wirtschaftliche Erfolg dieses Verfahrens hängt von Investitionskosten, spezifischen Prozessbedingungen und der Verfügbarkeit günstigen, erneuerbaren Stroms ab. Eine besondere Stärke ist die Möglichkeit, die Trocknungsanlage flexibel und stromnetzfreundlich zu betreiben, um die CO₂-Emissionen zu reduzieren und auf erneuerbare Energiequellen optimal zuzugreifen.
Mit diesem innovativen Ansatz wird aus einem klassischen Energieverbraucher ein nachhaltiger, elektrifizierter Prozess, der nicht nur Erdgas einsparen, sondern auch Abwärme intelligent nutzen kann. Für dich als Unternehmer oder Entscheider lohnt es sich, diese Technologie im Blick zu behalten, um langfristig Kosten und Umweltbelastungen zu senken.